Bäderbahn Rasender Roland



 

Eine dampfbetriebene Reise in die Vergangenheit – der „Rasende Roland“ ist mehr als eine Eisenbahn


 

Eine romantische Bahn aus dem 19. Jahrhundert „bummelt“ heute noch durch die Insel Rügen. Diese einzigartige Erfahrung darf man einfach nicht verpassen. Fahren Sie mit dem „Rasenden Roland“ – wie die dampfbetriebene Schmalspurbahn liebevoll genannt wird – durch Wiesen, Wälder und am alten Jagdschloss Granitz vorbei.


Binz weckt, in vielerlei Hinsicht, ein Hauch von Nostalgie in uns. Man fühlt sich in eine andere Epoche versetzt. Es sind die Gebäude, die Menschen und die hiesige Lebenskultur. Wie in einer Zeitkapsel eingefangen, wurden hier Dinge beibehalten die zur Schönheit des Lebens beigetragen haben. Als man noch eine Verbundenheit mit der Natur hatte. Als Architektur nicht immer zweckmäßig und praktisch sein musste. Dazu gehört auch die dampfbetriebene Schmalspurbahn, die auch im Volksmund als „Rasender Roland“ bekannt ist. Besucher werden überrascht sein, wenn sie die dampfende und bimmelnde Bahn im Bahnhof einkehren sehen. Eine der letzten Schmalspurbahnen Deutschlands, die noch in vollem Betrieb ist. Es gibt Fahrpläne, Abfahrzeiten und ein richtiger Bahnhofsverkehr. Die Bahn gehört zum regulären Bahnbetrieb und ist offiziell Teil der Rügensche Bäderbahn (RüBB). Der Roland „rast“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Km/h durch die Landschaft der Insel Rügen – vorbei an Wiesen und Wälder, in kleine Dörfer einkehrend und nur mit Kohle betrieben. Die kleinen Fahrgäste sind immer sehr aufgeregt, aber Eisenbahnliebhaber noch viel mehr. Im Sommer gibt es zusätzliche Fahrten (bis in die Abendstunden) und eine Extrafahrt nach Lauterbach Mole. Insgesamt hat das Streckennetz 24,1 Kilometer. Die eingesetzten Dampflokomotiven sind teilweise über 100 Jahre alt. Es gibt Personenwagen wie „im Wilden Westen“ und im Sommer hängt schon mal ein Buffet-Wagen daran. Auch ein Zug mit offener Aussicht ist möglich. Es macht einfach Spaß, mit der „alten Bahn“ durch die Landschaft zu fahren und verträumt über die Vergangenheit nachzudenken. Die Bahn war nicht immer eine „Spaßfahrt“ für Besucher. Als diese im Jahre 1895 eröffnet wurde, sollte diese einen praktischen Zweck erfüllen. Wenn Sie unseren Artikel über das Jagdschloss Granitz gelesen haben (LINK), dann werden Sie feststellen, dass Rügen viel dem Fürsten Malte von Veltheim zu Putbus zu verdanken hat. Der Fürst hatte Rügen so richtig ins Herz geschlossen und investierte viele Ideen und Taler. Dazu gehörte eben auch die Rügensche Kleinbahn-Aktiengesellschaft. Diese wurde 1895 in Betrieb genommen, um hautsächlich den Warenverkehr zu erleichtern. Wir erinnern daran, dass zu dieser Zeit höchstens 100 Badegäste im Jahr nach Rügen kamen. Ein Badeurlaub war zwar im Kommen, gehörte aber zu den Luxusaktivitäten von Fürsten und Adlige.

Das Problem bestand darin, die landwirtschaftlichen Güter zu transportieren und auch eine gute Verkehrsverbindung zwischen den wichtigsten Punkten der Insel zu schaffen. Aus diesem Grund, war das Streckennetz damals auch weiter ausgebaut. Insgesamt konnte man fast 100 Kilometer mit der kleinen Bahn zurücklegen. Die Fahrt ging von Altefähr (Stralsund) über Putbus und endete in Göhren. Für die landwirtschaftlichen Höfe war dies eine wichtige Errungenschaft. Es gab eine weitere Strecke, die von Bergen nach Altenkirchen führte (Kap Arkona). Dass die Bahn eher einen praktischen Zweck erfüllen sollte, ersehen wir aus den geschichtlichen Unterlagen. In den dreißiger Jahren wurden beispielsweise über 175.000 Tonnen Güter befördert. Der Transport mit Pferdekutsche und Pritschenwagen war mühselig und dauerte einfach viel länger. Die Insel Rügen war damit besser organisiert und eine gutgehende Lokalwirtschaft wurde damit ermöglicht. Im Laufe der Jahre wechselte die kleine Bahn viele Male die Besitzer. Mal wollten die einen die Bahn haben, mal wollte man diese ganz abschaffen. Das Streckennetz wurde immer kleiner. Teilweise wurden die Streckenabschnitte nicht mehr saniert und instand gehalten und gingen damit unweigerlich verloren. Heute kann man noch Spuren des ehemaligen Streckennetzes entdecken, wenn man mit dem Fahrrad auf den vielen Fahrradwegen unterwegs ist. Viele dieser Fahrrad- und Wanderwege verlaufen an der ehemaligen Trasse der kleinen Bahn. Heute ist der „Rasende Roland“ vor allem eine Touristenattraktion. Es gibt täglich zwei Fahrten und im Sommer auch drei. Es lohnt sich eine Tageskarte zu kaufen. Damit kann man den ganzen Tag lang mit der Rügenschen Bahn fahren, beliebig oft ein- und aussteigen und die Insel Rügen auf eine ganz andere Weise erleben. Die Tageskarte kostet für Erwachsene 20 € und für Kinder 10 €. Wer einen ganz besonderen Tagesausflug buchen will, der kann mit dem „Rasenden Roland“ zum Jagdschloss fahren und von dort aus die ca. 800 Meter bis zum Haupteingang laufen. Dann geht es wieder zurück und man macht noch die Strecke in Richtung Kreidefelsen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Bahnfahrt mit dem Rasenden Roland mit einer Schifffahrt zu kombinieren. Egal für welche Option man sich entscheidet, eine Fahrt mit der romantischen Dampflokomotive, die liebevoll „Rasender Roland“ genannt wird, gehört zu jeder Rügen Reise dazu!